Ein Blick auf unsere Erde und die Politik im Jahr 2016. Was hat sich seit der UN-Klimakonferenz in Paris getan?

„In enorm kurzer Zeit treten die Länder dem Pariser Abkommen bei, sodass es schon bald in Kraft treten könnte. Dennoch klafft eine Riesenlücke zwischen den Forderungen des Abkommens und den tatsächlichen Maßnahmen der Regierungen, um diese Klimaziele zu erreichen.“

May Boeve, Exekutivdirektorin 350.org

In diesen Tagen treffen sich die Regierungsvertreter*innen zur Generalversammlung der Vereinten Nationen, wobei in einem feierlichen Akt 31 weitere Länder dem Pariser Klimaabkommen beitreten. Wir nehmen dieses wichtige Ereignis zum Anlass, die Entwicklungen seit Dezember 2015, als sich die Welt in Paris versammelte, zu rekapitulieren. Eines ist klar: Wenn wir sehen, was sich 2016 bislang getan hat, dann haben wir keinen Anlass, uns zufrieden zurückzulehnen.

[Dies ist keine vollständige Liste aller Ereignisse im Jahr 2016, sondern nur ein Überblick.]

KLIMAFOLGEN

2016 wird wohl das wärmste Jahr aller Zeiten. August 2016 war der 16. wärmste Monat in Folge. Nichts deutet darauf hin, dass sich diese Entwicklung verlangsamt.

Die globale Durchschnittstemperatur liegt um 1,38 °C über dem vorindustriellen Niveau [im Februar]. In der Arktis lagen die Temperaturen im ersten Quartal des Jahres 4 °C über dem Normalwert.

Im Irak und in Kuwait herrschten im Sommer Temperaturen von 54 °C — die höchste zuverlässig gemessene Temperatur in der östlichen Hemisphäre.

Bestimmte Regionen des Pazifiks sind 2 °C wärmer als normal, was zu schweren tropischen Wirbelstürmen wie den Super-Taifunen Winston und Nepartak führte. Hätte die Saffir-Simpson-Hurrikan-Skala mehr als 5 Kategorien, dann wäre der Super-Taifun Merantiein Hurrikan der Kategorie 6 gewesen.

Die hohen Temperaturen führten überall auf der Welt zu einer rekordverdächtigen Korallenbleiche. 93 % des Great Barrier Reefs sind von der Korallenbleiche betroffen.

Dürren und steigende Temperaturen führten dazu, dass über 36 Millionen Menschen im östlichen und südlichen Afrika vom Hunger bedroht sind. Dies ist die schlimmste Dürre in Äthiopien seit vielen Jahren.

Es gab zahlreiche Hochwasserkatastrophen — insbesondere in China, Pakistan und Louisiana. Im Juni führten starke Regenfälle zu einer der teuersten Naturkatastrophen in Chinas jüngerer Vergangenheit. Auch Louisiana wurde mehrmals von schweren Überschwemmungen heimgesucht — beim letzten Mal fielen stellenweise innerhalb von 24 Stunden Regenmengen von mehr als 300 Liter pro Quadratmeter und mehr als 600 Liter pro Quadratmeter in 72 Stunden.

Wissenschaftler haben bestätigt, dass 5 Inseln der Salomonen-Inselgruppe durch den Anstieg des Meeresspiegels verschwunden sind. 6 weitere Inseln stehen teilweise unter Wasser. Nach Angaben der Regierung von Tuvalu hat der Inselstaat bereits vier Inseln verloren.

Foto von Cherri Foytlin, 14. August 2016 in Louisiana

Die Gruppe des Biloxi-Chitimacha-Choctaw-Stamms von der Isle de Jean Charles war die erste Gemeinde der USA, die eine finanzielle Beihilfe erhielt, weil sie wegen des Klimawandels umsiedeln musste. Die indigenen Bewohner von Shishmaref in Alaska haben dafür gestimmt, ihr Dorf aufgrund des steigenden Meeresspiegels zu verlassen.

REGIERUNGEN

Die Regierungen haben sich verpflichtet, die Emissionen zu reduzieren. Hier einiges von dem, was seither tatsächlich geschehen ist: Wenn Kohle, Öl und Gas nicht im Boden bleiben, haben die Länder keine Chance, die im Pariser Abkommen vereinbarten Klimaziele zu erreichen.

Die schwedische Regierung hat ihre Pariser Zusicherung und auch ihre Rolle als Vorreiter beim Klimaschutz komplett in den Wind geschlagen. Mit dem Verkauf der deutschen Tagebaue von Vattenfall sorgt sie dafür, dass die Braunkohle (1,2 Mrd. Tonnen CO₂, ein Vielfaches der Kohlendioxidemissionen von ganz Schweden weiterhin verbrannt wird).

Die britische Regierung kürzte die Subventionen für erneuerbare Energien und erneuerte ihre „Dash for Gas“-Politik nur wenige Wochen nach Paris. Sie setzt somit weiterhin auf den Wechsel zu Gas.

Unmittelbar nach den extremen Überschwemmungen in Louisiana versteigerte Obamas Regierung Lizenzen zur Erschließung neuer Öl- und Gasvorkommen.

Der neue Präsident der Philippinen, Rodrigo Duterte, sagte, das Land werde seinen Verpflichtungen zum Klimaschutz nicht nachkommen.

Beim G20-Gipfel ratifizierten die USA und China gemeinsam das Pariser Klimaschutzabkommen.

Brasilien hat das Pariser Klimaschutzabkommen zwar ratifiziert, scheint nun aber die entgegengesetzte Richtung einzuschlagen — mit der Öffnung des Energiesektors für unkonventionelle Formen der Öl- und Gasförderung wie Fracking, mit Anreizen für Investitionen in die Erdgasindustrie und mit Gesetzesänderungen für die Vergabe von Umweltlizenzen, um die Genehmigung großer Energieprojekte zu erleichtern.

Andererseits …

… deckte Portugal vier Tage lang seinen gesamten Strombedarf aus erneuerbaren Energien.

… lieferte Chile den weltweit günstigsten Solarstrom .

haben mehrere europäische Hauptstädte kurz nacheinander beschlossen, ihre Gelder aus Öl-, Kohle- und Gaskonzernen abzuziehen. … hat sich auch Sydney verpflichtet zu deinvestieren.

Fossil Free Berlin

DIE MACHT DES VOLKES

Überall auf der Welt haben sich Menschen organisiert und dafür eingesetzt, fossile Brennstoffe im Boden zu lassen.

Weltweit haben Zehntausende an der größten Aktion zivilen Ungehorsams in der Geschichte der Klimaschutzbewegung teilgenommen. In 13 Ländern gingen Menschen auf die Straße, besetzten Kohlegruben, blockierten Eisenbahnschienen, hakten sich unter, paddelten in Kajaks und versammelten sich vor Ort. Sie gingen über die konventionellen Protestformen hinaus und erfanden neue Mittel und Wege, ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, dass Kohle, Öl und Gas im Boden bleiben müssen.

Nach der Vattenfall-Entscheidung der schwedischen Regierung beschlossen die Schweden, sich zu organisieren und dafür zu kämpfen, dass fossile Brennstoffe im Boden bleiben und die Regierungen zur Rechenschaft gezogen werden.

Der Widerstand gegen die Dakota Access Pipeline, eine im Bau befindliche Erdöl-Pipeline in den USA, ist massiv gewachsen und zu einer landesweiten Bewegung geworden, die Menschen rund um den Erdball inspiriert.

Foto von Dallas Goldtooh

Etwa 190 neue Institutionen haben seit Paris deinvestiert. Die Mehrheit der neuen Divestments geht von Kommunen und Glaubensgemeinschaften aus, die einen großen Teil unserer Bevölkerung ausmachen.

Die Macht des Volkes siegte auch in Kanada, als die Regierung beschloss, alle künftigen Teersand-Pipelines einem neuen Klimatest zu unterziehen.

In Brasilien wächst der Widerstand gegen Fracking . Über 70 Städte haben Fracking verboten.

Fossile Brennstoffe gegen erneuerbare Energien

Wie haben sich in den letzten Monaten die Kohle-, Öl- und Gaskonzerne im Vergleich zu den erneuerbaren Energien entwickelt?

Der geplante Kohleausbau wurde stark zurückgefahren, weltweit um 14 %. Dieser Rückgang entspricht nahezu der Kapazität sämtlicher Kohlekraftwerke in der Europäischen Union.

E.ON, der größte deutsche Energiekonzern, meldete im ersten Halbjahr 2016 einen Verlust in Höhe von 3 Milliarden Euro aufgrund verlorener Vermögenswerte im Bereich der fossilen Brennstoffe.

Im Juli meldete Exxon den heftigsten Gewinneinbruch seit 1999.

Exxon steht nun wegen des Klimawandels und seiner Bilanzierungstricks bei der US-Börsenaufsicht (SEC) unter Beobachtung.

Bei Strom aus Wind, Sonne und anderen erneuerbaren Energiequellen wurden 2016 jeden Monat neue Rekorde verzeichnet.

Die Zahl der Windkraftanlagen in Schottland wächst. Jeden Tag kommt mindestens eine neue Anlage hinzu.

Eine neue Meinungsumfrage zeigt, dass mehr als zwei Drittel der Befragten kommunale Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien unterstützen, wenn die Einheimischen finanziell davon profitieren.

Es ist wichtiger denn je, dass wir von den Regierungen die Einhaltung ihrer Versprechen einfordern. Wir müssen uns weiterhin für echte Lösungen einsetzen, wie sie Wissenschaft und Gerechtigkeit verlangen. Hier findest du eine 350-Kampagne in deiner Nähe.

350 is a global org that's inspiring the world to rise to the challenge of the climate crisis. This blog is a look behind the scenes at how we do that.

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